Auf der Suche nach der perfekten Momentaufnahme. Fotograf Andreas von Maltzan im Gespräch

Andreas von Maltzan: DESIRE (alle Aufnahmen: 1700 Euro)

Die stimmungsvollen Aufnahmen von Andreas von Maltzan sind ab heute zusammen mit Arbeiten von Jürgen Hinterleithner und Tom Schmelzer in der Ausstellung „OPEN YOUR MIND ... AND THE REST WILL FOLLOW“, noch bis zum 13. Januar in der Orangerie im Englischen Garten zu sehen. Der Münchner Internet-Unternehmer und Fotograf erklärt, was eine gute Fotografie für ihn ausmacht, wie sie entsteht und wie er sich seine Zukunft vorstellt.

 

Herr von Maltzan, viele Ihrer Motive entstehen nachts. Würden Sie sich als Nachtschwärmer oder nachtaktiv bezeichnen?

Ja, ich bin ein nachtaktiver Mensch, das stimmt!

Wie kamen Sie zur Fotografie?

Ich wollte schon immer Künstler werden. Ich stellte mir aber die Bedingung, dass ich mir das leisten kann d.h. dass ich nicht unter Druck gerate meine Kunst verkaufen zu müssen. Jetzt bin ich zum Glück in der Lage, dass ich Kunst aus reinem Spaß an der Kunst betrieben kann. Meine noch bestehenden unternehmerischen Tätigkeiten versuche ich sukzessive zurückzuschrauben, um mich voll und ganz der Fotografie zu widmen.

RELIGION und PINK

Ist bei Ihren Webprojekten wie neu.de oder womenweb.de auch Kreativität gefragt?

Ich bin seit zwölf Jahren im Internet tätig mit Internet-Startups. Das ist natürlich auch eine gewisse kreative Herausforderung, weil man eine Nische finden muss und dann da mit allen kreativen Methoden und Möglichkeiten versucht sich von der Konkurrenz abzuheben. Insofern war es auch eine kreative Tätigkeit, aber die Kunst an sich, die Fotografie an sich, das ist eine ganz andere Herausforderung. Die nächtlichen Motive sind vielleicht auch deshalb Nachts entstanden, weil ich da mehr Zeit hatte.

Wie suchen und finden Sie Ihre Motive, was interessiert Sie am meisten?

Ich habe immer meine digitale Kamera bei mir. Es gibt diese einzigartigen Momente: ein besonderes Licht, eine bestimmte Situation, irgendwelche Zufälle, die passieren... Manchmal sind es nur Sekunden und da muss man bereit sein. Das ist sicherlich ein Unterschied zu anderen Fotografen, die sich einen Tag lang vor ein Gebäude hinstellen und dann an diesem Motiv arbeiten.

Das heißt Sie lassen alles stehen und liegen, wenn ein gutes Motiv auftaucht?

Ich bin auch schon mal auf der Autobahn auf dem Pannenstreifen stehengeblieben und habe da angefangen zu fotografieren. Meine erste Ausstellung war über Venedig und das war zur Zeit der Biennale 2009 und es war gegen ein Uhr Nachts und nach irgendwelchen Premieren liefen nur noch ein paar Menschen im Smoking und Abendkleid über den Platz. Wann bekommt man denn schon so ein Setting? Der Markusplatz zum größten Teil leer, dann noch Vollmond, keine Überschwemmung und dann auch noch keine Japanischen Touristen im Hintergrund!

Was erwartet die Besucher der Ausstellung?

Freude bei der Betrachtung der Bilder und vielleicht eine so große Freude, dass sie eine davon vielleicht auch kaufen wollen (lacht)! Die Fotografien in der Ausstellung sind sehr emotionale Aufnahmen von Gebäuden und Stimmungen aus dem Zeitraum von 2008 bis heute. Es sind nicht nur Nachtaufnahmen. Ich mache meist unbearbeitete Fotografie, großformatig auf Alu Dibond.

PALM

Was ist Ihre liebste Stadt. Welche ist besonders fotogen?

In Palermo sind mir sehr schöne Aufnahmen gelungen.

Was ist für Sie das perfekte Bild?

Ein Bild muss am Ende gefallen und faszinieren. Ich bin niemand der eine wahnsinnig tiefgründige Botschaft hineinlegen will. Ein Bild soll eine subjektive Situation, ein Empfinden zeigen, das gefällt oder auch nicht. Es muss gefallen.